Betsy
Betsy – Im Januar 2025 tauchte der Name dieses russischen Schulmädchens plötzlich in den europäischen Nachrichten auf. Das Lied „Sigma Boy“, aufgenommen von zwei Mädchen aus Sankt Petersburg, erreichte Platz sieben in den Billboard-Charts und löste politische Diskussionen in der EU aus. Manche sahen darin ein Instrument der „Soft Power“, andere einfach nur einen viralen TikTok-Hit. Doch hinter dem Medienrummel steht eine konkrete Geschichte: ein Mädchen, das auf YouTube groß wurde, die Sprache der Memes spricht und sich in ein kulturelles Phänomen verwandelt hat.
👨👩👧 Familienproduktion

Swetlana Tschertischtschewa wurde 2013 in Sankt Petersburg geboren – in einer Familie, in der Musik nicht nur aus den Lautsprechern kam. Ihr Vater, Michail Tschertischtschew, ist Komponist und Produzent, bekannt für Soundtracks zu „Barboskins“, „Luntik“ und „Drei Bogatyrs“. Ihre Mutter ist Ballerina. In diesem Zusammenspiel war alles logisch: Der Vater schrieb Musik, die Mutter choreografierte, und die Tochter sang, spielte und veröffentlichte.
Swetlanas erster YouTube-Kanal entstand, als sie fünf Jahre alt war. Er hieß „SwetikO“ und war ein typischer Kinderblog: Fruchtverkostungen, Gespräche mit einem Teddybären, häusliche Sketche. Doch schon damals spürte man Regie im Bild. Bald folgten erste Songs – „Kätzchen“, „Ich geb dir ein Like“, „Erstklässlerin“. Letzterer – mit frechem Clip und Zöpfen – wurde ein lokaler Hit.

Die Familie Tschertischtschew machte das kreative Schaffen der Tochter zum Projekt. Michail schrieb Musik, trat in Clips auf und produzierte Releases. Die Mutter half bei Bewegung und Styling. Die jüngeren Schwestern – Warja (auch bekannt als Suzi) und Tanja – waren regelmäßig im Bild. Das Ganze erinnerte weniger an Showbusiness als an ein Familien-Startup, in dem jeder seine Rolle kannte.
🎶 Von „Pop It Squish“ bis Billboard

2021 veröffentlichte Betsy den Song „Simple Dimple Pop It Squish“ – eine Hymne auf Anti-Stress-Spielzeuge, die perfekt zur TikTok-Welt passte. Das Video sammelte Millionen Aufrufe, und die Künstlerin gewann Tausende neue Follower. Schon damals wurde klar: Betsy hat ein Gespür für Trends und kann sie in Musik verwandeln.
2024 nahm sie den Track „Ich versteh nicht“ auf – eine Antwort an Hater, inspiriert von Kommentaren in sozialen Netzwerken. Im selben Jahr trat sie in der Show „CHOROSHOW“ auf STS Kids auf, performte beim „VK Fest“ und veröffentlichte neue Clips. Doch der eigentliche Durchbruch kam später.

„Sigma Boy“ – geschrieben von Michail Tschertischtschew und gesungen von Betsy im Duett mit Maria Jankowskaja – wurde zufällig viral. Ein deutscher TikTok-Blogger nutzte den Song in einem Video, und dann ging alles Schlag auf Schlag: Trend, Remixe, Memes, Charts. Im Januar 2025 landete der Track in den Billboard-Charts, und in Europa wurde diskutiert, ob dies Teil einer kulturellen Expansion Russlands sei. Betsy war damals elf Jahre alt.
Kurz darauf erschien das Duett mit Katja Lel – „Delulu“. Trotz Altersunterschied fanden die Künstlerinnen eine gemeinsame Sprache. Danach folgten „Queen Of Drama“ und die erste Solotour durch russische Städte. Moskau, Sankt Petersburg, Jaroslawl, Arsamas – überall wurde sie wie ein Star empfangen.
📱 Medienfigur, Publikum und Einfluss

Betsy ist nicht nur Sängerin. Sie ist eine Medienfigur, zusammengesetzt aus Trends, Memes, kindlicher Unmittelbarkeit und dem Gespür eines Produzenten. Sie spricht die Sprache ihres Publikums – Teenager, die in TikTok leben, in Reels denken und Musik als visuellen Content begreifen.
Ihr Image ist auffällig, frech, aber nicht aggressiv. Sie kann ironisch sein, naiv, modisch – und alles wirkt authentisch. Sie singt nicht „für Kinder“ – sie ist selbst ein Kind, das für Gleichaltrige singt. Darin liegt ihre Stärke.

Heute hat Betsy rund dreißig Singles veröffentlicht, darunter Remixe und Kollaborationen. Ihre Clips landen regelmäßig in den Empfehlungen, und ihr TikTok-Account lebt sein eigenes Leben – mit Challenges, Tänzen, Schwester-Vines und Backstage-Momenten. Auf YouTube hat ihr Kanal 2,7 Millionen Abonnenten – das ist nicht nur eine Zahl, sondern ein Beweis dafür, wie tief sie in der digitalen Kultur verankert ist.
Betsy ist nicht nur Künstlerin – sie ist Teil der Umgebung, in der sie aufgewachsen ist. Und wenn man nach der Geschwindigkeit urteilt, mit der sie neue Bühnen erobert, ist das nur der selbstbewusste Anfang einer strahlenden Musikkarriere.
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